Di Von Jutta Rinas.
Ausschließlich Beethoven-Sonaten stehen an diesem Abend bei Pro Musica im Großen NDR-Sendesaal mit dem Pianisten Rudolf Buchbinder auf dem Programm. Und gleich zu Beginn – schon in den ersten Takten der Sonate f-Moll op. 2,1 – zeigt der 65-Jährige, dass er einer der großen Beethoven-Interpreten unserer Zeit ist. Plötzlich erklingt da nach einer Fermate c-Moll statt C-Dur. Beethoven weicht hier von den Konventionen der Sonatenform ab, in dem er das helle Dur plötzlich in das dunklere Licht eines Moll-Akkordes taucht. Es ist ein Stimmungswechsel in einem Sekundenbruchteil, aber wie feinsinnig wird er von Buchbinder präsentiert! Es zeichnet die Interpretationen des Pianis- ten an diesem Abend insgesamt aus, dass er die vielen unerhörten Ideen Beethovens mit fast mikroskopischer Genauigkeit zum Klingen bringt. Jede feine harmoni- sche Wendung Beethovens kann man ver- folgen, als läge der Notentext wie ein auf- geschlagenes Buch vor einem da. Doch das ist an diesem herausragenden Klavierabend nicht alles. Auch den Humor mancher Sätze, den viele junge Beet- hoven-Interpreten heute unterschlagen, arbeitet Buchbinder vortrefflich heraus. Zum Beispiel in dem erstaunlichen, marschartig steifen und darum umso witzigeren Andante in Beethovens Sonate G-Dur op. 14,2. Aber auch die große Leidenschaft kommt nicht zu kurz. Durch die Sonate d-Moll op. 31,2 jagt der Pianist in Virtuosenmanier, ohne seiner Liebe zum Detail untreu zu werden. Es ist ein Glück, dass das hannoversche Publikum diesen großen Beethoven-Interpreten künftig häufiger hören kann. Nach 30 Jahren führt Buchbinder hier erstmals wieder den Zyklus aller Beethoven-Sonaten auf. Die beiden nächsten Termine stehen schon fest: 3. Februar und 7. April 2013, jeweils um 18 Uhr im NDR. Man kann jetzt schon Karten kaufen.
(Da "Hannoversche Allgemeine Zeitung")
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